Eine unvollständige Liste genderbereinigter Sprache
Viele Sprachen haben sich während ihrer langen Reifung schon manch einen künstlichen Eingriff gefallen lassen müssen. Ogdens Basic English und der radikale Kahlschlag in der schwedischen Grammatik des vergangenen Jahrhunderts markieren bedauernswerte Sprachpfuscherei, die leider auch heute noch ihre Nachwirkungen zeigt. Die deutsche Sprache blieb von einem solchen linguistischem Ausverkauf glücklicherweise bisher verschont. Dennoch war sie in ihrer Geschichte freilich einigen Normierungen unterworfen. Der reformatorische Einfluss Luthers wird heute, abgesehen von der dogmatischen Tragweite, als linguistischer Glücksgriff angesehen, auch Dudens Leistungen sind unumstritten. Auch ihnen ist zu verdanken, daß die deutsche Sprache zurecht für ihren Wohlklang und ihre Eleganz bekannt ist.
Nun ist die Genderdebatte ein beliebter Spielplatz der Sozialwissenschaftler unserer Zeit. Dort tummeln sich allerhand Aktivisten unterschiedlichster Prägung und Vorbildung, drehen einer nach dem anderen lustig ihre Runden im Sprachkarussell und behaupten die große Grammatikrutsche für sich allein. Richtig erkannt: Das sind dieselben Leute, die damals keines der anderen Kinder auf der lustigen Ringelraupen-Wippe duldeten.
Welch obskure Stilbrüche diese Gender-Philisterei zutage fördert, ist hinlänglich bekannt. Aber: Was ein waschechter Spielplatz-Tyrann ist, lässt sich nicht lange lumpen und stellt immer wieder neue Gesetze für das Klettergerüst und den Sandkasten drumherum auf. Eine Auswahl, linguistisch durchleuchtet:
Biedermann: üblicher Sprachgebrauch. Kompositum aus Adj. »bieder« und Nom. »Mann«
Biederfrau: geduldete, aber bereits belächelte Variante des »Biedermann«. Kompositum aus Adj. »bieder« und Nom. »Frau«
Biederfeminist: denotativ präzisere Variante des »Biedermann« bzw. der »Biederfrau«
Biederfeministin: gender-korrigierte Form des »Biederfeministen«
BiederfeministInnen: künstlicher Plural einer kontravalent disjunktiven Form der gender-unbereinigten Varianten der »Biederfeministin« bzw. des »Biederfeministen«. Neologismus ohne grammatikalische, allgemein: linguistische Basis.
Biederfeminist_Innen: um die Trans-Sexualität erweiterte, nun adjunktive Form der gender-unbereinigten Varianten der »Biederfeminstin«, des »Biederfeministen« bzw. des sexuell indeterminierten Biederfeminist_
einin Biedernin: liminales Geschlecht nach Sylvain-Konvention. Grober Unfug.
man: üblicher Sprachgebrauch. Etym.: althd. »man«, sinnbezeichnend für »Mensch« neutraler Geschlechtsaussage.
frau: unüblicher Neologismus als feminines Korrelat zum vermeintlich maskulinen »man«. Linguistisch nicht anerkannt.
jemand/niemand: üblicher Sprachgebrauch. Etym.: mhd. »ieman«, althd. »iaman«, ferner althd. »man« (s.o.)
jemensch/niemensch: etymologisch zu kurz greifende Stilblüte der Gender-Debatte, die Geschlechterneutralität erwirken will, wo diese immer innewohnte.


Hi,
Zitat: »Die deutsche Sprache blieb von einem solchen linguistischem Ausverkauf glücklicherweise bisher verschont. Dennoch war sie in ihrer Geschichte freilich einigen Normierungen unterworfen. Der reformatorische Einfluss Luthers wird heute, abgesehen von der dogmatischen Tragweite, als linguistischer Glücksgriff angesehen, auch Dudens Leistungen sind unumstritten. Auch ihnen ist zu verdanken, daß die deutsche Sprache zurecht für ihren Wohlklang und ihre Eleganz bekannt ist.«
zu Satz eins: Was genau meinst Du damit? Weder hinsichtlich der Entwicklung der Orthographie noch der Neologismen (siehe Denglish/Danzösisch) stimmt das.
zu Satz drei: Von der dogmatischen Tragweite kann tatsächlich abgesehen werden? :-)
zu Satz vier: Das hör ich ja zum ersten Mal. Ich kenne niemanden, der behauptet, dass die deutsche Sprache für ihren Wohlklang bekannt ist. Ganz im Gegenteil, z.B. wenn ich im englisch sprechenden Ausland mit meinen Kindern auf dem Spielplatz unterwegs bin, fragen mich manchmal Mütter warum ich mit meinen Kindern so agressiv spreche. Die Frage hat nichts mit der Art und Weise zu tun, sondern mit den harten Wörtern und Silben.
Nun ja, das ist natürlich alles Geschmackssache. Wenn ich von »Ausverkauf« rede, dann natürlich mit einem tadeligen Unterton. Blicke ich etwa in die schwedische Sprachgeschichte (denn da kenne ich mich sonst noch am besten aus, wenn auch nur oberflächlich), graut’s mir ob der Gleichmacherei, die dort im vergangenen Jahrhundert betrieben wurde. Die Sprache ist heute ein ganz andere. Das darf man gut finden, ich schüttle da nur den Kopf.
Das heutige Deutsch der Umgangssprache sollte für den Wohlklang nicht herhalten müssen! Im ersten Entwurf folgte auf diesen Satz eine Anzahl deutscher Dichter, die mir als meisterliche Beispiele dienen sollten, aber das war mir zum Schluß zu viel Schöngeist für einen solchen Artikel.
Hi,
ich kenn mich nun wiederum in Schweden nicht so gut aus. Meinst mit Gleichmacherei den Versuch eine diskriminierungsfreie Sprache zu etablieren? In Deutschland treten wir da ja seit Ende der 80er auf der Stelle. Und das was die Bundesregierung beim GenderMainstreming betreibt ist ein fataler Kompromissversuch es allen ein bissel recht zu machen. Aber wie heißt es so schön bei Kissinger: „Ein Kompromiß ist nur dann gerecht, brauchbar und dauerhaft, wenn beide Parteien damit gleich unzufrieden sind.“ (Quelle: zitate.de)
Die Genderdebatte hat die schwedische Sprache bisher nicht so stark erreicht wie andernorts und hat auch nicht die Qualität angenommen, wie eine Handvoll rechtlich durchgesetzter Reformen der schwedischen Grammatik. So wurde etwa per Parlamentsbeschluß verfügt, daß die Konjugation nur noch eine, von Genus und Numerus unabhängige Form je Tempus kennt. Ebenso wurde die formale Anrede gestrichen. Die »du-reformen«, wie die Schweden sie nennen, wurde mit Begeisterung aufgenommen; dagegen gibt es auch heute noch so manche Hardliner, die der grammatikalischen Vielfalt der alten Tage hinterher trauern.
[…] ist natürlich nicht jedermanns Sache, da sehr speziell ausgerichtet. Nicht jeder braucht einen solchen Dienst. Wer jedoch […]