In Whisky veritas

17. Mai 2012

Ich hatte bereits vier exzel­lent gemixte Drinks hin­ter mir. Ange­regte Gesprä­che, Tur­te­leien. Die Getränke gin­gen aufs Haus, die Bar­kee­per wur­den eigens ein­ge­flo­gen. Gin in allen Varia­tio­nen, der erste Schwips bereits um zehn Uhr. Dann das Taxi. Wir fuh­ren zur nächs­ten Party. Der Geburts­tag eines Freun­des. Ein bun­ter Hund in der Kunst­szene. 50er-​​Jahre-​​Bau, Pan­ora­ma­fens­ter, erle­sene Geträn­ke­aus­wahl. Wie ver­mu­tet war auch Marie dar. Ein Freu­den­sprung. Auch unsere gemein­sa­men Freunde. Das über­rascht nicht. Einer eröff­net mir, daß er und seine Freunde mich gern ficken wür­den. Ich sei so männ­lich. Das Ver­lan­gen nach männ­li­chen Heten. Das fände es unter Schwu­len kaum. Ich fühle mich ver­le­gen, ein wenig geschmei­chelt, winke jedoch ehr­lich ab. Schließ­lich ist das alles nichts für mich. Wäh­rend­des­sen fin­det Marie Gefal­len an ande­ren. Und das nach all dem. Ein Freund nach dem ande­ren geht. Marie bleibt und tanzt. Ich brau­che drei Stun­den für zwei Whis­kys. Vier Zen­ti­li­ter voll aus­ge­kos­te­ter Genuss. Der Bar­kee­per nickt mei­ner Wahl aner­ken­nend zu. Drei Stun­den. Jazz, Soul, spä­ter Clas­sic Hip Hop. Zwei Glä­ser Whisky, zwei Glä­ser Was­ser. Den Tum­bler schwen­ken und die Schlie­ren beob­ach­ten. Die Farbe bewun­dern. Die Nase kurz über dem Glas schwen­ken. Honig. Ein wenig Rog­gen. Nach eini­ger Zeit ein zag­haf­ter Schluck. Aka­zien, Honig, viel­leicht auch Mohn. Fremde rei­chen mir ihre Kar­ten, die attrak­tivs­ten Frauen bie­ten mir ihre Drinks an. Vie­len Dank. Cam­pari Sour. Indes tanzt Marie wei­ter. Das zweite Glas ist geleert, ein­same Stun­den sind an der Bar ver­gan­gen. Ich möchte Abschied neh­men. Wie schön aber kurz es war. Bald wie­der sehen. Schö­nen Abend noch, komm gut heim. Doch der Gast­ge­ber kommt auf mich zu. Deut­lich trun­ke­ner als ich, ebenso wie die rest­li­che Gesell­schaft. Er berührt mich. Strei­cheln. An mei­nem Bauch, an mei­nem Rücken, an mei­nem Hin­tern. Es ist mir unan­ge­nehm. Er gibt mir Whisky Soda aus. Abscheu­lich. Ich sage nichts. Das Gesöff gekippt. Herz­li­chen Glück­wunsch, ich muss heim. Arbei­ten mor­gen. Tschüss auch, Marie, war schön, aber zu kurz. Bis bald.

Schade eigent­lich. Welch Jam­mer, daß deut­lich mehr Schwule auf mich ste­hen als Frauen. Aber warum nur. Marie jeden­falls hat ihr zuvor deut­li­ches Inter­esse ver­lo­ren. In Whisky veritas.

Keine Kommentare

Horror vacui

30. April 2012

Bei jedem Anruf wird mir eng ums Herz. Ein kal­ter Griff, immer fester.

Keine Kommentare

Vernunft und Verantwortung

07. April 2012

Womög­lich gibt es auf die alte und noch immer boh­rende Frage nach der fina­len Ent­schei­dung zur Berufs­wahl eine nüch­terne und ver­nünf­tige Ant­wort. Das Dilemma: die sichere Par­tie mit der mit­un­ter unbe­frie­di­gen­den Medi­zin oder die über­aus finan­zi­ell unsi­chere, aber immer span­nende Beschäf­ti­gung mit der Kunst; könnte damit eine uner­war­tete Lösung gefun­den haben. Eine Lösung, die hart ist, aber rea­li­täts­nah und vernünftig.

Die Ent­schei­dung fällt dem­nach auf die Medi­zin. Sie fällt für eine Inten­si­vie­rung aller Stu­di­ums­an­stren­gun­gen, für Prak­tika und Pro­mo­tion, für eine mög­lichst gute Examens­note und eine Anstel­lung in einer Fach­rich­tung, in der ich auf­ge­hen könnte. Der­ma­to­lo­gie viel­leicht. Oder Radio­lo­gie. Viel­leicht auch etwas, was mir häu­fi­gen Zugang zur Ret­tungs­stelle ermög­licht. Die Ent­schei­dung fällt dem­nach auch gegen die Kunst, gegen den Kunst­jour­na­lis­mus und die Agen­tur­ar­beit und die kunst­be­flis­sene Phi­lis­te­rei im All­ge­mei­nen. Denn das Kri­te­rium, an dem sich diese Ent­schei­dung misst, ist das der gesi­cher­ten Existenz.

Ich erin­nere mich noch leb­haft an jenen Tag im spä­ten August 2007, als meine Kis­ten gepackt und meine Kof­fer geschlos­sen waren. Es war Zeit, nach Ros­tock zu gehen. Der Zivil­dienst musste ange­tre­ten wer­den und meine dama­lige Freun­din sollte mit mir kom­men. Wir wür­den beide unsere Eltern­häu­ser ver­las­sen und in eine gänz­lich fremde Stadt zie­hen. Es war eine schwie­rige Zeit, auch für meine Eltern. Ich wusste nicht ein­mal, wie unsere Woh­nung aus­se­hen würde, denn die hatte jemand ande­res für uns auf­ge­trie­ben. Ich wusste ebenso nicht, wie ich von dem beschei­de­nen Sold die Miete bezah­len oder mich und meine Freun­din ernäh­ren sollte. Alle Rech­nun­gen steu­er­ten gera­de­wegs auf ein saf­ti­ges Defi­zit zu. Ein Neben­job kam nicht infrage, auch der ärmli­che Aus­bil­dungs­lohn mei­ner Freun­din würde nicht aus­rei­chen. Und so kam es, daß ich eines Abends, wenige Tage vor dem nahen­den Umzug, vor ihr in bit­ter­li­che Trä­nen fiel und gestand, daß ich nicht wüsste, wie ich uns ver­sor­gen sollte.

Am Ende kam jedoch alles anders und sowohl Ros­tock als auch Freun­din sind heute längst Geschichte. Das Rol­len­mo­dell des sor­gen­den Ernäh­rers, des pater fami­liae dage­gen blieb1. Daher kann die Frage in Hin­blick auf eine in zwan­zig und drei­ßig und vier­zig Jah­ren noch zu ernäh­rende Fami­lie nur sein: In wel­chem Beruf mag mir dies am bes­ten gelingen?

Das ist frag­los der des Arz­tes. Als Arzt bräuchte ich keine Arbeits­lo­sig­keit zu fürch­ten, keine Gehalts­aus­fälle und keine finan­zi­el­len Eng­pässe. Selbst im Aus­land, unter wid­ri­gen Bedin­gun­gen in Hin­blick auf Gesund­heits– und Ren­ten­ver­si­che­rung, Infla­tion und all­ge­mei­ner Teue­rung gäbe es kei­nen Grund zur Sorge. Denn Ärzten und ihren Fami­lien geht es immer gut.

Das sieht in der Kunst ganz anders aus. Weder Anstel­lung noch Gehalt, Gesund­heits– und Ren­ten­ver­si­che­rungs­sta­tus sind auch nur annä­hernd sicher. Es wäre mit­un­ter unge­wiss, wie sich der kom­mende Monat gestal­ten würde. Ungüns­tige Umstände, um für eine Fami­lie zu sorgen.

Damit bliebe nur eine Frage offen: Macht mich die Medi­zin auch glück­lich? – Viel­leicht ist Glück auch nicht der Lebens­zweck, nach dem man vor­ran­gig stre­ben sollte. Es könnte auch wich­ti­ge­res im Leben geben.2

  1. Ob selbst oder fremd auf­er­legt, zeit­ge­mäß oder nicht, not­wen­dig oder nicht, sei dahin­ge­stellt, doch Fakt ist, die­ses Selbst­ver­ständ­nis ist noch immer vor­han­den, sodaß ich mich nicht unnö­tig an die­sem Detail auf­hal­ten werde.
  2. PS: Noch eine Sache fällt mir auf: Die Ver­ant­wor­tung, die ich im Titel kurz andeute, gilt im Grunde genom­men einer unbe­kann­ten Per­son, einem blo­ßen Schema und damit nur einer Idee. Aber was ist eine Ver­ant­wor­tung für eine Idee, wenn nicht ganz ein­fach nur purer Idea­lis­mus?

3 Kommentare

Stumme Bilder

01. April 2012

Bereits die Tat­sa­che, daß ich mich zu solch nacht­schla­fen­der Zeit mit sol­chen Gedan­ken aus­ein­an­der­setze und mich sogar gezwun­gen fühle, sie schrift­lich fest­zu­hal­ten, unter­streicht die Dring­lich­keit die­ser Ange­le­gen­heit. Unter allen Bedürf­nis­sen ist mir mein Schlaf am teu­ers­ten und so ist ange­sichts mei­ner emp­find­lich ste­chen­den Arbeits­zei­ten leicht nach­zu­voll­zie­hen, daß mir diese eine Sache gewis­ser­ma­ßen am Her­zen liegt. Es zeigte sich näm­lich, daß ich in bestimm­ten Din­gen einen ande­ren Umgang pflege, als es unse­rer Zeit ent­spricht und von allen Sei­ten beju­belt wird. Es geht mir um den pic­to­rial turn, die Wende  einer Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur vom gespro­che­nen und geschrie­be­nen Wort zum Bild, und sei­nen Impli­ka­tio­nen für den All­tag, wie er durch meine und unsere Gene­ra­tion defi­niert wird.

Ich foto­gra­fiere ungern. Weder auf Rei­sen noch daheim, schon gar nicht mich selbst. Als Anden­ken sind mir Bil­der zuwi­der. Ihr Ver­spre­chen, als Gedan­ken­stütze ein­zu­sprin­gen, löst sich für mich nicht ein. Im Gegen­teil, sie leis­ten dem Ver­ges­sen Vor­schub. Was im Bild fest­ge­hal­ten wird, wird im Bild gefangen. Mit sei­ner epis­te­mi­schen Kraft steht es um das Bild oft­mals auch nicht bes­ser. Obgleich hierzu bes­ser geeig­net, stel­len per­spek­ti­vi­sche Ver­zer­rung und Mani­pu­la­tion inhä­rente Gefah­ren dar. Ob aus jour­na­lis­ti­scher Sicht oder wäh­rend meine der­zei­ti­gen Prak­ti­kums in der Radio­lo­gie, diese Zwei­fel und Risi­ken schwin­gen stets mit.

Wäre ich Künst­ler, ich würde ver­zwei­feln. Künst­le­ri­sche Pra­xis liegt mir nicht fern, tat­säch­lich lieb­äugle ich immer wie­der damit. Doch stets resi­gniere ich vor der bit­te­ren Ein­sicht, daß es heute nicht mehr mög­lich ist, ein Bild zu schaf­fen. Durch den iko­ni­schen Über­fluss kor­rum­piert, ver­geht die Bedeu­tung des ein­zel­nen Bil­des. Alle unsere Bil­der ver­schwin­den in der Masse der viel­stim­mi­gen und doch stum­men Bild­ge­walt, die uns in der Kunst und im All­tag umgibt. Sei es Wer­bung, sei es Fern­se­hen, seien es Zei­tun­gen oder Maga­zine, Kunst oder Wis­sen­schaft, pri­vate und intime Berei­che des All­ta­ges – über­all wer­den wir mit Bil­dern über­flu­tet. Wie kann man als Künst­ler oder, ein­fa­cher, als Bil­der­ma­cher dage­gen ankommen?

Da hilft nur der Rück­zug von allem bild­li­chen Über­fluss. Mit Bedacht auf eine Ökono­mie des Bil­des muss der ein­zel­nen Foto­gra­fie, dem Gemälde, der Zeich­nung oder dem Dia­gramm wie­der ein höhe­rer Stel­len­wert zukom­men. Ein sym­pto­ma­ti­sches Bei­spiel die­ses Übels, des­sen Aus­maße noch gar nicht umfas­send ein­zu­schät­zen sind, stellt etwa Ins­ta­gram dar. Auch Tum­blr, Pin­te­rest und soziale Medien im All­ge­mei­nen trei­ben eine aggres­sive Bild­po­li­tik voran, die bild­li­che Aus­beu­tung des Nut­zers zum Zweck haben. Ins­ta­gram ver­steht es jedoch wie kein ande­rer Dienst, seine Anhän­ger dazu zu moti­vie­ren, ihrem Leben und All­tag einen ver­bild­lich­ten Sinn zu geben. Diese so pro­du­zier­ten Bil­der die­nen als Doku­men­ta­tion und als Beweis­mit­tel, dank diver­ser Fil­ter als per­sön­li­ches Aus­drucks­mit­tel, das einem Bil­der­ta­ge­buch gleich­kommt. Bezeich­nen­der­weise nährt Ins­ta­gram jedoch die Sehn­sucht nach dem »wah­ren Bild«, dem die ent­zau­bernde Wir­kung des vir­tu­el­len und digi­ta­len nichts anha­ben kann, und bedient sich der sti­lis­ti­schen Eigen­schaf­ten der ana­lo­gen Foto­gra­fie um den Anschein zu erwe­cken, daß es sich hier­bei um Uni­kate han­delt, die mehr abbil­den als nur das Bild­mo­tiv. Die­ses absurde Ver­spre­chen geht erstaun­li­cher­weise auf – anders kann die Beliebt­heit des Diens­tes nicht erklärt wer­den. Und so häuft Ins­ta­gram an, was es zu besei­ti­gen ver­spricht: Bil­der, die den Nut­zer kei­nes­wegs als Per­sön­lich­keit abbil­den. Statt­des­sen domi­nie­ren Unmen­gen blas­ser und stum­mer Bil­der, die bezeu­gen, was der Ein­zelne bei Tisch und am Strand, auf der Straße und in der Bar erlebt, und fügen sich in ein dif­fu­ses Kon­glo­me­rat des Bild­ty­pos Ins­ta­gram, das irgendwo zwi­schen Pro­fi­lie­rungs­wahn und Tage­buch zu fin­den ist. In die­sem Punkt steht Ins­ta­gram den Blogs der ers­ten Stunde in nichts nach, die eben­falls dank der Mög­lich­kei­ten des nun­mehr sozia­len Medi­ums Inter­nets flo­rier­ten, sich jedoch einer archa­isch anmu­ten­den Media­li­tät bedien­ten. So sind Tum­blr, Ins­ta­gram und Pin­te­rest zukunfts­ge­wandte Dienste, die bereits jetzt von der gan­zen Kraft des pic­to­rial turn profitieren.

Indes wird mir dies zu viel. Der­weil finde ich Gefal­len daran, die Instagram-​​Feeds mei­ner Fol­lo­wer mit Stör­bil­dern zu infil­trie­ren. Ich eigne mir den Bild­ty­pos Ins­ta­gram an, ver­zerre die Motive mit­hilfe diver­ser Apps, Tools und Fil­ter bis zur Unkennt­lich­keit und speise sie wie­der in das Sys­tem ein. Ein Glitch, eine Schad­stelle, ein Stö­rung im Sys­tem. Viel­leicht ist das der künst­le­ri­sche Aus­druck, nach dem ich so lange gesucht habe.

7 Kommentare

Überdruss im Überfluss

13. März 2012

Es wird mir gerade alles über­drüs­sig. Anstren­gung, wohin man sieht. Der mediale Over­flow brei­tet sich in jede erdenk­li­che Rich­tung aus und über­for­dert mich bei jeder Kon­fron­ta­tion. Sei es das facet­ten­rei­che Social Web, der täg­lich anwach­sende Zei­tungs­sta­pel, die Untie­fen der hei­mi­schen Musik­da­ten­bank, die sich auf­tür­mende Biblio­thek der unge­le­se­nen Titel oder ein­fach nur all die unsäg­li­che Wer­bung, die mich täg­lich und aller­orts pene­triert und eine sub­stan­ti­elle Zeit­ver­schwen­dung zu ver­ant­wor­ten hat. Letzt­lich lässt sich alles in begrenzte Zeit– und Ressourcen-​​Kontingente auf­schlüs­seln und schon gelangt man zu des Pudels (ver­meint­li­chen) Kern: – nein, die wohl kon­di­tio­nierte Kon­sum­kri­tik greift hier wie oft zu kurz. In sol­cher Ein­falt sol­len sich lie­ber andere üben. Der Grund für meine mediale Erschöp­fung muss ein ande­rer sein.

Im Ein­zel­nen: Der selbst auf­er­legte Abstand von den gän­gi­gen sozia­len Medien – Face­book, Twit­ter, Tum­blr – erwies sich als sinn­volle Maß­nahme, die auch jetzt, nach der Prü­fungs­zeit, wei­ter­hin erwäge. Ich wende dort jeweils den Groß­teil mei­ner Zeit damit auf, belang­lose Mit­tei­lun­gen zu über­blät­tern, immer in der Hoff­nung, die weni­gen inter­es­san­ten und berei­chern­den Infor­ma­tio­nen nicht zu ver­pas­sen. Als ob es die gäbe! Das muss erst ein­mal bewie­sen sein. Jüngs­tes Übel waren die unsäg­lich anma­ßende Kony-​​Kampagne und ihre will­fäh­ri­gen Agi­ta­to­ren, die unter dem Ban­ner ihrer gut­mensch­li­chen Nai­vi­tät in einen frem­den Krieg zogen und mit einem Male dumm-​​dreist in Rage gerie­ten, sobald man die Hin­ter­gründe und Impli­ka­tio­nen ihres Han­delns in Zwei­fel zog. Diese Ange­le­gen­heit hat gewiss schon genug mediale Auf­merk­sam­keit erhal­ten, als daß auch noch meine Stimme benö­tigt würde, doch ist sie dahin­ge­hend erwäh­nens­wert, daß sich darin wie­der ein­mal abzeich­net, wie potent die sozia­len Medien das sinn­ent­leerte Gefa­sel eines ein­zel­nen Wich­tes ampli­fi­zie­ren und in einen sozia­len Anscheins­kon­text stel­len kön­nen1. Ob Kony 2012 oder Glücks­nuss, Facebook-​​in-​​Apps bekann­ter exter­ner Medien wie Guar­dian oder Spo­tify, oder auch die meis­ten Sta­tu­sup­dates: alles kumu­liert in einem unsäg­lich anstren­gen­den Rau­schen. Mit Twit­ter und Tum­blr ist es grund­sätz­lich das glei­che Übel, wenn auch frei­lich in ande­rer Nuan­cie­rung. Auch mein per­sön­li­cher Hoff­nungs­trä­ger für ein gehalt­vol­le­res Inter­net, Quote.fm, ver­liert v.a. infolge der jüngs­ten Über­ar­bei­tun­gen für mich an Attrak­ti­vi­tät, was jedoch ver­mut­lich ein per­sön­li­ches und kein grund­sätz­li­ches Pro­blem ist.

Der Witz an die­ser Sache ist, daß sich mein Über­druss nicht auf diese Platt­for­men beschränkt. Weder gefällt es mir der­zeit, fremde Blogs zu lesen, noch selbst auf die­sem Feld tätig zu wer­den und es ist mir selbst unver­ständ­lich, wie ich jetzt schon knapp 500 Wör­ter und die damit ver­bun­dene Zeit für solch einen Hum­bug ver­schwen­den konnte. Sei es drum; täg­lich flat­tert die Zei­tung durch die Tür und von dort fast umwegslos in den Müll. Über­all in der Woh­nung lie­gen druck­fri­sche Bücher herum, die nur dar­auf war­ten, sich zu jenen im Regal gesel­len zu kön­nen, in denen noch immer das Lese­zei­chen mit­tig ste­cken bleibt. Wäh­rend­des­sen gehen uner­müd­lich Aus­stel­lungs­an­kün­di­gun­gen ein und wer­den stän­dig neue Schall­plat­ten gelie­fert, die ich mir aus der Ferne bestellt habe, und doch sieht die Rea­li­tät so aus, daß ich mit mei­nem Tag nichts anfan­gen zu weiß, weil es mir an Optio­nen fehlt. Daß dies ein Trug­schluss ist, bedarf frei­lich kei­ner wei­te­ren Ausführung.

Über­ge­ord­nete Gründe für die­ses haus­ge­machte Pro­blem gibt es mut­maß­lich keine, doch das ändert nichts an dem Phä­no­men selbst. Und weil mich an die­ser Stelle wie­der die Antriebs­lo­sig­keit packt, die Fort­füh­rung die­ser aus­sichts­lo­sen Zei­len ver­hin­dert und damit jenen Berg der aus­ste­hen­den Artikel-​​Entwürfe anzu­häu­fen droht, höre ich hier lie­ber auf und gebe mich damit zufrie­den, lie­ber einen unfer­ti­gen Gedan­ken fest­zu­hal­ten als ihn ganz zu ver­lie­ren2.

PS: Das neue Lay­out wurde mir immer mehr zur Last, des­halb bleibt es vor­erst beim alten. Außer­dem, noch ein Gedanke: Wie bezeich­nend es doch ist, daß ich mich tage­lang mit avant­gar­dis­ti­schen Klang­ex­pe­ri­men­ten umge­ben kann, sog. expe­ri­men­tel­ler elek­tro­ni­scher Musik, die den meis­ten Men­schen den Ver­stand raubt und mich – ganz im Gegen­teil – sogar beru­higt. Man über­denke ein­mal die Par­al­lele zum Rita­lin, das ja bekannt­lich eine ähnlich dia­me­trale Wir­kung entfaltet.

  1. Frei­lich unter­schei­det den Men­schen von heute nichts von den ver­gan­ge­nen Gene­ra­tio­nen; jeden­falls hat sich an sei­ner Natur nichts geän­dert und es ist doch nur der kul­tu­rel­len Evo­lu­tion zu ver­dan­ken, daß diese immer wie­der neu in Erschei­nung tre­ten kann. Daß diese in jedem Falle posi­tiv zu betrach­tende Bana­li­tät auch seine Schat­ten­sei­ten hat, liegt in der Natur der Sache, und so ist nur das soziale Medium selbst, aller­dings mit­nich­ten der zugrunde lie­gende soziale Gedanke in diese Kri­tik zu zie­hen.
  2. Die Kom­men­tare sind offen, ich werde sie lesen, aber man möge mir nach­se­hen, daß ich ver­mut­lich nicht wei­ter dar­auf Ant­wort geben werde.

Ein Kommentar

Frühlingsgezwitscher

05. März 2012

Ein neuer Mix. Jah­res­zei­ten­ge­rechte Musik zum Auf­tauen und Warm­wer­den. Jetzt unter neuer Soundcloud-​​Adresse.

Keine Kommentare

Moderner Messianismus

26. Februar 2012

Er starb den Mär­ty­rer­tod für eine Lehre, die es nie gab. Erst sein Meu­chel­mord machte den König zum Heils­brin­ger. Doch es waren derer viele, die das unaus­ge­spro­chene Heils­ver­spre­chen bereits gehört hat­ten. Und wie es ihre Sen­dung war, ver­brei­te­ten sie das neue Evan­ge­lium in allen vier Win­keln der Welt und kün­de­ten der Herr­lich­keit des Gehei­lig­ten, auf daß jeder, des es hörte, den Glau­ben fände.

Autopsiezeichnung

Der Hei­land war ermor­det wor­den. Doch die Zwei­fel waren groß. Denn wenn sie nicht die Male sähen und ihre Fin­ger in die Male leg­ten, glaub­ten sie nicht. Töricht, die nicht sehen und doch glau­ben. Und sie sahen ein Mal am Hin­ter­haupt und eines am Rumpf und sie leg­ten ihre Fin­ger hin­ein und also glaub­ten sie.

Lee Harvey Oswald, Jack Ruby

Doch als sein Grab am drit­ten Tag geschlos­sen wurde, war der Mes­sias bereits auf­er­stan­den und sein Ver­rä­ter in den Tod gestürzt. 

Keine Kommentare

Die Abstraktheit einer tödlichen Diagnose

25. Februar 2012

Ges­tern fand das ver­gan­gene Win­ter­se­mes­ter mit der schrift­li­chen Prü­fung sei­nen Abschluß. Ich habe mich zwar im ver­gan­ge­nen hal­ben Jahr nur sel­ten auf den Campi bli­cken las­sen, habe aber trotz­dem viel gelernt: Ich war über­rascht, wie viel Freude es mir berei­ten würde, kranke Kin­der von ihren klei­nen und gro­ßen Weh­weh­chen zu befreien. Ich erkannte erneut, daß meine große Stärke die schnelle und ele­gante Dia­gno­se­fin­dung, dage­gen die Dif­fe­ren­ti­al­the­ra­pie im All­ge­mei­nen meine Schwä­che ist. Auch lernte ich erneut den Groß­teil mei­ner Kom­mi­li­to­nen ver­ach­ten und die weni­gen ande­ren wei­ter schät­zen. Und selbst, obwohl ich den Semes­ter­stoff in Hin­blick auf die Prü­fun­gen in Win­des­eile nach­holte, war es doch nicht das Fak­ten­wis­sen, das ich als ech­ten Lern­er­folg die­ses Semes­ters ver­bu­chen könnte.

In zwei Jah­ren werde ich schon wie­der ver­ges­sen haben, wel­che fünf Zyto­sta­tika in der Induk­ti­ons­phase der Stu­fen­the­ra­pie der aku­ten lym­pha­ti­schen Leuk­ämie gege­ben wer­den und wel­che lang­fris­ti­gen Neben­wir­kun­gen die Ver­ab­rei­chung von Amio­daron zeit­lich limi­tie­ren. Ich werde auch nicht mehr wis­sen, daß es die Chro­mo­so­men­trans­lo­ka­tion t(8;14)(q24;q32) ist, die in mehr als 80% der Burkitt-​​Lymphome gefun­den wird, und wie der täg­li­che Flüs­sig­keits­be­darf eines auf die eine oder andere weise dehy­drier­ten Kin­des berech­net wird. Das alles sind abs­trakte Infor­ma­tio­nen, deren Ver­bin­dung zu ihrem Kon­text sich nicht durch logisch erklär­bare Pro­zesse erschlie­ßen lässt. Das ist jenes Wis­sen, das ste­tig wie­der­holt wer­den muss, das durch neue Stu­dien revi­diert und zurecht­ge­rückt wird und nur einen begrenz­ten Wert für das reflek­tie­rende und dadurch fle­xi­ble Prak­ti­zie­ren enthält.

Tumore töten

Einen weit­aus grö­ße­ren Wert hat­ten für mich dage­gen Erkennt­nisse, die kein Rah­men­lehr­plan ver­mit­teln kann und deren Erwerb keine klas­si­sche Prü­fung mes­sen kann. Diese Ein­sicht klingt banal, doch das liegt durch­aus in ihrer Natur: wel­che Trag­weite die Nach­richt einer Lebens­er­war­tung von nur weni­gen Jah­ren hat.

In die­sem Semes­ter wurde viel Wert auf ver­schie­dene Krebs­for­men gelegt. Ins­be­son­dere kind­li­che Tumore kamen gewiss nicht zu kurz, aber auch so man­che bös­ar­tige Erkran­kung des erwach­se­nen Blut– und Immun­sys­tems fand aus­rei­chend Behand­lung. Wie medi­zi­ni­sche Ver­an­stal­tun­gen in aller Regel gestal­tet sind, waren auch die dies­be­züg­li­chen Semi­nare durch viele bei­spiel­haft bespro­chene Stu­dien belegt. Da wurde von Signi­fi­k­anz­le­vels und Odds Ratios pro­tek­ti­ver Fak­to­ren gespro­chen, wurde über Num­ber to tre­ats und Qua­li­täts­kor­ri­gierte Lebens­jahre dis­ku­tiert und über ROCs und RCTs, HRCTs und HRSs referiert.

Tumore töten schnell

»Die Fünf-​​Jahres-​​Überlebenswahrscheinlichkeit eines kom­plett rese­zier­ten hochgradig-​​malignen Gli­oms beträgt 50%. Die Fünf-​​Jahres-​​Überlebenswahrscheinlichkeit eines par­ti­ell rese­zier­ten hochgradig-​​malignen Gli­oms beträgt 18%. Die Fünf-​​Jahres-​​Überlebenswahrscheinlichkeit eines nicht rese­zier­ten hochgradig-​​malignen Gli­oms beträgt 0%.«

Die Wahr­schein­lich­keit, daß ein Kind ein Ewing-​​Sarkom (ein Kno­chen­tu­mor) ein, zwei, drei, vier, fünf Jahre lang über­lebt, beträgt 70, 60, 45 resp. 25 Pro­zent. Die Regres­sion der Sterb­lich­keit ande­rer Tumore ver­läuft ähnlich, wenn auch nicht immer so dras­tisch. Es heißt: Wer fünf Jahre lang nicht neu erkrankt, gilt als geheilt. Es heißt aber auch: Wer so lange durch­ge­hal­ten hat, wird frü­her oder spä­ter doch an sei­nem alten oder einem neuen Tumor oder den Neben­wir­kun­gen der The­ra­pie ver­ster­ben. Wir den­ken über The­ra­pie­ri­si­ken nach und kon­sta­tie­ren kurz, daß jeder vierte Pati­ent, der frem­des Kno­chen­mark erhält, genau daran stirbt. Wir schauen uns Fotos krebs­kran­ker Kin­der an und wis­sen ins­ge­heim, daß sie zu die­sem Zeit­punkt bereits tot sind.

Krebs ist für mich nichts Neues. Weder kogni­tiv noch emo­tio­nal. Ich habe im Zivil­dienst krebs­kranke Men­schen betreut, für die es keine The­ra­pie mehr gab, habe ster­bende Men­schen in den Tod beglei­tet und war manch­mal auch die letzte Per­son, die an ihrem Leben Anteil nahm – und sei es nur, weil ich ihre Hand strei­chelte und dabei ihren Puls lang­sam aus­strei­chen fühlte. Ich wusste was Krebs war. Im Stu­dium lernte ich viel hinzu und ver­gaß wenig. Doch, für das was ich für Fak­ten­wis­sen über Wesen, Erken­nung und Behand­lung diver­ser bös­ar­ti­ger Erkran­kun­gen lernte, ver­gaß ich, wel­che psy­chi­schen und sozia­len Fol­gen dies nach sich zog.

»Zehn Jahre Lebens­er­war­tung – das ist doch gar nicht wenig!«: so glaubte ich zeit­weise. Zehn Jahre, das klingt nach einer lan­gen Zeit. Bemes­sen an mei­nen letz­ten zehn Lebens­jah­ren ist das ganz schön viel. Bemes­sen an ihren letz­ten zehn Lebens­jah­ren ist das aller­dings ganz schön wenig. »Sie haben noch zehn Jahre zu leben.« – das klingt schon ganz anders.

Men­schen sterben

Die große Frage bleibt, wie schlei­chend diese emo­tio­nale Abstump­fung voran gehen muss, um so lange unbe­merkt zu blei­ben. Als tag­ein tag­aus die Men­schen um mich herum ver­star­ben, zog ich mich unbe­merkt soweit see­lisch zurück, daß Bezie­hung, Frei­zeit und Leben schwer dar­un­ter lit­ten. Betei­ligte ich mich tags­über noch emo­tio­nal an den Schick­sa­len der Pati­en­ten, war ich nach Fei­er­abend wie aus­ge­wech­selt. Heute brau­che ich das nicht mehr fürch­ten, heute gehen mir Pati­en­ten­schick­sale im All­ge­mei­nen kaum mehr nahe. Manch­mal bin ich auch zynisch, oft­mals aber auch ein­fach nur kühl. Das hilft, einen kla­ren Kopf zu bewah­ren, aber für mehr auch nicht. Denn was ist schon an einem kla­ren Kopf, der das unsäg­li­che Leid einer Mut­ter nicht erwi­dern kann, deren Sohn wohl nie die siebte Klasse errei­chen wird, weil er bis dahin mit hoher Wahr­schein­lich­keit erneut einen Hirn­tu­mor bekom­men wird, der ihn die­ses Mal rasch erst ins Koma trei­ben, dann sei­nen Kör­per bald ganz erschöp­fen und letzt­lich töten wird?

Wenn ein Kind schreit, weil es sich fürch­ter­lich ver­brüht hat, weil sein Hüft­kopf zuse­hends abstirbt oder es einen Magen­ver­schluss erlit­ten hat, dann kann ich mit­füh­len. Dann kann ich empa­thisch sein, kann die nöti­gen Worte der Beru­hi­gung spre­chen und eine scho­nende und schnelle Unter­su­chung und Behand­lung durch­füh­ren. Aber wenn ein­mal eine ungleich dra­ma­ti­schere und abs­trak­tere Dia­gnose gestellt wird, fällt mir das wesent­lich schwe­rer. Dann bin ich wie­der kühl und herz­los. Wie in alten Zei­ten, nach Feierabend.

Keine Kommentare

Auf die Ohren

21. Februar 2012


Skip James: »Hard time kil­lin’ floor Blues«, 1931


Chet Baker: »I fall in love too easily«, 1953


Bon­nie Bee­cher: »Come wan­der with me«, 1964


Gino San­ter­cole: »Such a cold night tonight«, 1974


Bron­ski Beat: »Small town boy (Exten­ded ver­sion)«, 1984


Miguel: »Adorn«, 2012


DT64: »You and Me and You Mix«, 2012

Ein Kommentar

L’esprit de l’escalier 2.0

19. Februar 2012


Stu­die für das Theme

Ich hatte es kürz­lich bereits ange­kün­digt: Das nächste Blog-​​Layout würde einen expe­ri­men­tel­le­ren Weg ein­schla­gen. Die Idee: von dem Erbe des gedruck­ten Wor­tes abkeh­ren und sich einer Seman­tik des Webs annä­hern. Das Dogma der Sei­ten­struk­tur wollte ich über­win­den und jetzt, mit dem neuen Lay­out, nun ja, ist der erste Ver­such nicht ganz so radi­kal aus­ge­fal­len. Eine Pagi­nie­rung, wie man so schön sagt, gibt es immer noch. Vor allem aus Faul­heit im Umgang mit spe­zi­el­len Pro­ble­men in jQuery und AJAX habe ich sie vor­erst bei­be­hal­ten. Dazu aber spä­ter mehr. Die große Neu­ig­keit – und inso­fern habe ich mich schon ein gewal­ti­ges Stück auf das erklärte Ziel hin bewegt – ist die Inde­xie­rung der Inhalte in einer dyna­mi­schen Side­bar, die die Sei­ten­struk­tur nach Art einer Site­map wie­der­gibt und prak­ti­scher­weise erkennt, an wel­cher Stelle im Doku­ment der Leser sich befin­det und abhän­gig davon die wei­tere Struk­tur des aktu­el­len Arti­kels aufschlüsselt.

Für mich, der zwar solide Kennt­nisse im Web­de­sign hat, aber sicher­lich nicht zu den hoch­do­tier­ten Agen­tur­pro­fis zählt, ist das schon eine schöne Sache. Hier und da stockt die sen­si­tive Side­bar noch, wenn der User schnel­ler scrollt als der Brow­ser es erken­nen kann, aber auch dafür sollte ein Work­a­round mög­lich sein, inso­fern ich mich irgend­wann dazu auf­raffe, mich damit aus­ein­an­der­zu­set­zen. In der jet­zi­gen Theme-​​Version ist die Side­bar brauch­bar und das reichte für den Launch zunächst aus. Wie so üblich fol­gen die Fein­ka­li­brie­run­gen erst spä­ter, wenn die klei­nen Details im Gebrauch auf­fal­len. Die Farb­ge­bung ist eben­falls noch nicht final, aber letzt­lich geht es dabei auch nur um die Gestal­tung der Links und eini­ger weni­ger ande­rer Dinge. Viel­leicht ändert sich hier und dort etwas an den typo­gra­phi­schen Fein­hei­ten, etwa in der Aus­zeich­nungs­hier­ar­chie bspw. der Side­bar und der Meta-​​Informationen.

Scroll

Typo­gra­phi­sches

Über­haupt ist die­ses Theme für meine Maß­stäbe ein typo­gra­phi­sches Novum, habe ich doch nie zuvor ernst­haft mit einer Fraktur-​​Schrift im Web­de­sign gear­bei­tet und immer Fließ­texte von 14 bis 16px Schrift­größe favo­ri­siert. Wie ich finde, har­mo­ni­siert das Ergeb­nis gut: die Schrift Pots­dam für alle Über­schrif­ten und die sim­ple Hel­ve­tica für alles andere.

Ich habe schon seit län­ge­rer Zeit ein Fai­ble für gebro­chene Schrif­ten des 19. und 20. Jahr­hun­derts und so wollte ich end­lich ein Lay­out in Angriff neh­men, das in wesent­li­chen Tei­len auf der beson­de­ren Ästhe­tik die­ser Schrift­art aufgreift. Ursprünglich, und das sieht man auch in der Stu­die für das Theme (ers­tes Bild), plante ich für Über­schrif­ten und Hea­der die »Ferox« ein. Zwar gehört sie zu mei­nen liebs­ten Fraktur-​​Schriften; aller­dings war mir der Lizenz­preis von 60 US-​​Dollar dann doch zu hoch und so habe ich nach einer kos­ten­lo­sen Alter­na­tive gesucht. Nach der ernüch­tern­den Ein­sicht, das die sonst hilf­rei­che Samm­lung der Google-​​Webfonts nur zwei Fraktur-​​Schriften bereit­hält und beide recht unge­lenk aus­se­hen, ent­schied ich mich für die »Pots­dam«, die auf ein popu­lä­res Ori­gi­nal aus dem Beginn des 20. Jahr­hun­derts zurück­geht und sicher­lich dem ein oder ande­ren bekannt vor­kom­men dürfte. Da ich gegen­über einer Imple­men­ta­tion mit @font-face nach wie vor skep­tisch bin, ent­schied ich mich für Cufon und bin trotz der spür­ba­ren Nach­teile zufrie­den, denn immer­hin muss ich mir so keine Sor­gen um Font-​​Replacement machen.

Was den Fließ­text angeht, denke ich bereits über Ände­run­gen nach. Die Vor­züge der Hel­ve­tica ein­ge­denk, befürchte ich doch, daß sie auf Dauer zu blaß bleibt, um mit der Pots­dam mit­hal­ten zu kön­nen. Mög­li­cher­weise ist hier eine dick­tenglei­che Schrift die rich­tige Wahl, ein ers­ter Ver­such mit der Cou­rier New gefiel mir jeden­falls schon recht gut.

Phi­lo­so­phie

Diese Fraktur-​​Ästhetik spie­gelt sich auch im rest­li­chen Lay­out wie­der, wenn auch zu die­sem Zeit­punkt nur im Hea­der und in Orna­men­ten. In Rück­griff auf die Form­spra­che der drei­ßi­ger und vier­zi­ger Jahre ent­stan­den so die sti­li­sier­ten Adler­schwin­gen, der Doppel-​​Rhombus (ana­log zum Logo der ufa) und der Absatz­tren­ner (gibt es eigent­lich einen ordent­li­chen Begriff dafür?). Die Gestal­tung des letz­te­ren fiel uner­war­tet schwie­rig aus, denn einer­seits ist eine gewisse scharf­kan­tige und –zackige Run­enäs­the­tik beab­sich­tigt, ande­rer­seits muss­ten viele Form­va­ri­an­ten auf­ge­ge­ben wer­den, weil sie lei­der zu sehr ver­fas­sungs­feind­li­chen Sym­bo­len ähnel­ten. Gern hätte ich eine Varia­tion der Wolfs­an­gel genutzt, doch trotz ihrer tra­di­tio­nel­len Ver­wen­dung außer­halb eines rechts­ra­di­ka­len Kon­texts war mir die Nähe dazu dann doch zu hei­kel. (In der obi­gen Stu­die ist noch ein Bei­spiel ent­hal­ten, direkt unter dem fina­len Absatztrenner.)

Was noch zu tun bleibt

Den­noch braucht das Theme noch wei­tere Ele­mente, die die­sen roten Desi­gnfa­den fort­spin­nen. Das könn­ten bspw. Orna­mente zwi­schen ein­zel­nen Arti­keln, ver­dop­pelte Rah­men, ein wei­ter aus­ge­stal­te­ter Hea­der, mehr Rot (ich benutze im All­ge­mei­nen viel zu viel Rot, aber hier passt es sicher­lich gut), zackige Bul­lets für unge­ord­nete Lis­ten usw. sein. Als hilf­rei­che Inspi­ra­tion hier­für könnte übli­ches Mate­rial aus der Zeit die­nen, durch­aus auch natio­nal­so­zia­lis­tisch ein­ge­färb­tes (es geht frei­lich nicht um Sym­bo­li­ken), mit­tel­al­ter­li­che Schrift­bil­der, aber auch das arme­ni­sche Alpha­bet, für des­sen Ästhe­tik ich Feuer und Flamme bin.

Schließ­lich, und das bleibt die wich­tigste Bau­stelle, ist die tech­ni­sche Umset­zung noch auf der Stre­cke geblie­be­ner Ele­mente. Der kleinste Teil wäre die noch aus­ste­hende SEO-​​Optimierung. Es wäre schön, wenn auch die Liste der Über­schrif­ten in der dyna­mi­schen Side­bar sen­si­tiv auf Scroll­be­we­gun­gen anspricht und ent­spre­chend aktive Absätze high­ligh­ted. Ebenso sollte eine Continuous-​​Scroll-​​Funktion imple­men­tiert wer­den, wie man sie bspw. von Tum­blr kennt. Dies würde wie­derum sowohl den Content-​​Bereich als auch die Side­bar betref­fen. Letz­tere ist per posi­tion: fixed dyna­misch sti­cky gesetzt und damit pri­mär nicht scroll­bar, wenn man auf Scroll­bal­ken ver­zich­tet. Das dürfte spä­tes­tens bei län­ge­ren Content-​​Bereichen und dem­zu­folge lan­gen Arti­kel­lis­ten zum Pro­blem wer­den, aber auch dafür fin­det sich sicher­lich eine Lösung. Letzt­lich müsste dann auch der Foo­ter auf­ge­ge­ben und des­sen Inhalte irgend­wie inte­griert, wenn nicht gleich ganz auf­ge­ge­ben werden.

Den­noch: Ich bin nach der doch recht kur­zen Ent­wick­lungs­zeit mit dem jet­zi­gen Zwi­schen­stand bereits zufrie­den und werde sehen, was sich damit noch anstel­len lässt. Für Anre­gun­gen bin ich in jedem Falle offen.

4 Kommentare